


Es braucht einige Vorstellungskraft, es sich heute auszumalen, doch dieses sumpfige Feld am Rand von Selcuk beherbergte einst eines der Sieben Weltwunder der Antike. Der Artemistempel, oder das Artemision, war ein kolossales Marmorheiligtum für die Schutzgöttin der Stadt, weit größer als der Parthenon und von mehr als hundert aufragenden Säulen umringt. Er wurde im Altertum mehrmals wiederaufgebaut, im Jahr 356 v. Chr. bekanntlich von einem Brandstifter niedergebrannt (in der Nacht, so die Legende, in der Alexander der Große geboren wurde), noch prächtiger wiedererrichtet und schließlich in der Spätantike endgültig zerstört, sein Stein für andere Bauten abgetragen. Heute steht eine einzige Säule, aus verstreuten Fragmenten wieder zusammengesetzt, inmitten der Fundamente und des Schilfs, oft gekrönt von einem nistenden Storch. Die Stätte ist kostenlos, schnell besichtigt und ehrlich gesagt eher melancholisch, doch dort zu stehen, wo sich einst ein Weltwunder erhob, ist den kurzen Halt wert, besonders da die Basilika des heiligen Johannes und eine Burg auf dem Hügel direkt dahinter aufragen.
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